Dandong / Nordkorea

Am 2. Januar 2005 habe ich mich mit Stefan aus dem kalten Beijing auf den Weg ins noch kaeltere Dandong gemacht. Dandong liegt etwa 500 km nordoestlich von Beijing und ist eine Grenzstadt sowie der Hauptknotenpunkt in die DPRK (Demokratische Volkrsrepublik Korea). Wir sind mit einem Zug gefahren der von Peking aus startet und gleich bis in die Hauptstadt Pyongyang durchfaehrt. Mangels Visum (welches nur ueber sehr teure, begleitete Touren erhaeltich ist), geht es fuer uns nur an den letzten Bahnhof vor der Grenze – Dandong. Nach einer 14 stuendigen Fahrt in einem ingsesamt recht leeren, hauptsaechlich aber mit chinesischen Geschaeftsleuten, ein paar Nordkoreanern und uns 2 Auslaendern besetzten Zug, kamen wir morgens um 7:30 in Dandong an. Wie erwartet war es kalt – sehr kalt…
Mao Statue
Auf dem Bahnhofsvorplatz wurden wir von einer riesigen Mao-Statue begruesst. Wir haben und gleich auf den Weg zum Yalu FLlss gemacht, dem Grenzfluss zwischen Dandong und Sinuiju dem nordkoreanischen Teil der Grenzstadt. Es gibt einen langen Promenadeweg am Fluss von welchem man deutlich das gegenueberliegende Nachbarland erkennen kann. Ausserdem gibt es zwei Bruecken die hinueberfuehren, d.h. genauergesagt ein und halb. Die alte Bruecke wurde 1951 im koreanischen Krieg von den Amerikanern zerbombt und steht noch etwa zur Haelfte. Ueber die neue “Sino-Korean Friendship Bridge” fuehrt jetzt die Eisenbahnstrecke.
Sino-Korean Friendship Bridge
Das noch erhaltene Stueck der alten Bruecke, welches auf der chiniesischen Seite liegt, kann man begegen und dient jetzt als Ausstellung. Es sind z.B. ein paar amerikanische Bomben incl. Aufschrift zu sehen. Nach unserer Ersterkundung haben wir nach einem Platz zum fruehstucken und aufwaermen Ausschau gehalten. Komischerweise wirkte die ganze Stadt verlassen wie eine Geisterstadt. In anderen chineischen Staedten wimmelt es schon Stunden frueher von kleinen Staenden an den Strassen. Hier hingegeben gab es weit und breit nichts und die Restaurants die zu sehen waren hatten geschlossen. Nach einem laengeren Spaziegang waren wir dann doch noch erfolgreich und wir haben ein kleines Restaurant gefunden in dem wir dan ein paar Hun Dun (Wan Tan) gegessen haben. Nach dem es selbst beim Essen-suchen schon Probleme gab haben wir uns dann entschieden zunaechst ein Hotel zu suchen. Nahe unserem Ausgangspunkt, dem Bahnhof, gab es auch eins – in dem wir das guenstigste Zimmer genommen haben. Bei einem anschliessenden Stadtrundgang liessen sich so langsam auch Menschen auf den Strassen blicken. Es waren allerdings uerberall in der Stadt sehr viele moderne Neubauten zu sehen, die vollkommen leer stehen. Die Stadt ist uebersaeht von Laeden die Handel mit Industrieteilen wie Kugellagern u.ae. treiben. Alle Laeden werben auch in koreanischer Schrift. Hier wird also offensichtligt das eingekauft, was man in Nordkorea nicht bekommt.
Vergnuegungspark in Nordkorea aber keine vergnuegt sich…
Ich habe einen Fischer am Flussufer gefragt wie weit man denn auf die gegenueberligende Seite fahren koenne. Er meinte da waer kein Problem, ab und zu faehrt er rueber in den Militaerhafen und tauscht chinesischer Zigaretten o.ae. Das fand ich natuerlich sehr interessant — wenig spaeter sassen wir auch schon auf einem Boot und sind bis auf einige Meter an die militaerische Flotte von Nordkorea gefahren. Die Soldaten waren alle sichtlich gelangweilt und haben sich gottseidank nicht durch die imperialistischen Beobachter stoeren lassen.
gelangweilter Soldat
Nach der ueberstandenen Bootstour in koreanischen Gewaessern sind wir erstmal essen gegangen – da sich die Gelegenheit bot haben wir als Abwechslung zu dem chinesischen Essen ein (nord-)koreanisches Restaurant besucht. Die Bedienungen waren alle in traditionellen Gewandt gekleidet und wie sich zeigte waren alles nordkoreanische Fluechtlinge, die alle schon recht gut chinesisch sprechen konnten. Das Essen war koestlich. Die Koreanerinnen haben uns erzaehlt das fast alle Fluechtlinge ueber den Fluss geschwommen sind. Dies sei jedoch nur im Sommer moeglich wenn die Temperaturen auszuhalten sind. Da viele Nordkoreaner schon kraeftemaessig am Ende sind bevor sie sich entscheiden die Flucht zu wagen, schaffen es einige nicht. D.h. werden von Scharfschuetzen beim Fluchtversucht erwischt. In Dandong halten sich die Fluechtlinge zwar auch illegal auf, werden hier aber weitesgehend toleriert. Die meisten bleiben daher in der Gegend und ziehen nicht ins chiniesische Inland.
nordkoreanisches Essen
Am Abend haben wir uns nach dem Nachtleben umgesehen und zunaechst neben den ueblichen Karaoke-Schuppen nichts entdeckt. Kurz davor aufzugeben mussten wir feststellen das direkt neben unserem Hotel ein grosse Disko ist, welche wohl der In-Treff in Dandong ist. Ein paar Bier spaeter waren wir auch schon auf der Tanzflaech inmitten von jungen Chinesen, Chinesinnen und Koreanerinnen. Es hat natuerlich nicht lange gedauert bis jeder wusste, das zwei westliche Auslaender da waren. Wohl oder uebel wurden wir gleich auf eine erhoehte Tanzflaeche, die den Gogo-Taenzerinnen vorbehalten war, gezerrt und sollten dann mit denen tanzen. Das war zunaechst etwas komisch, aber war nicht zuletzt aufgrund des vorherigen Bierkonsums sehr lustig.
die grosse Mauer
Am naechsten Tag sollte es dann in die Umgebung von Dandong gehen und zwar an das Ostende der grossen Mauer, die dort irgendwo sein muesste. Eine touristische Infrastruktur ist in Dandong nicht vorhanden und so war es nicht so einfach herauszufinden, wo es zur grossen Mauer geht. Es gab Antworten wie: “Die ist doch in Beijing oder? Hab ich im mal Fernsehen gesehen.” Etwas spaeter sassen wir dann im Bus zur grossen Mauer – dachten wir jedenfalls… Drei Stunden spaeter wurde uns dann gesagt wir seien angekommen, waren aber in irgendeinem Provinznest. Die Frage nach der grossen Mauer stiess nur auf Unverstaendnis. Ein Taxifahrer wusste dann was gemeint war und wuerde uns zur Mauer bringen, die genau in der Richtung liegt aus der wir kamen. Also ging es zurueck. Nachdem wir dreimal das Taxi wechseln mussten, weil wir unter der Hand “weiterverkauft” wurden sind wir dann tatsaechlich doch noch angekommen. Mitten in einem kleinen Dorf zog sich die sehr gut erhaltene Mauer laengs. An einem Informationsschild stand, das dieser Teil der Mauer sehr spaet um gebaut wurde und offensichtlich desshalb noch so gut erhalten war. Ausser uns war noch ein Chinese auf der Mauer zu sehen sonst war sie absolut verlassen. Nach einer einstuendigen Wanderung auf der Mauer waren wir dann wirklich an einem letztem Wachturm, dem Ende der Mauer, angekommen. Von hier aus konnte man ueber den Fluss in die Waelder Nordkoreas gucken.
Wachturm am Ostende der grossen Mauer
Zurueck ging es mit einem lokalen Bus nach Dandong und wenig spaeter auch schon zurueck mit dem Zug nach Beijing.