
Da ich von anderen Leuten nur gutes über die Möglichkeit Bustickets in einen der vielen Reisebüros in Banglampoo buchen zu können gehört habe, war ich mal faul und habe mich auch darauf eingelassen. Das war ein großer Fehler, wie ich später festgestellt habe. Zunächst schien alles sehr plausibel. Der Preis lag wirklich nur wenige Baht höher als der offizielle Preis, und man erstpart sich die Tour zum Busbahnhof um ein Ticket zu holen. Mein Ziel ist also die nördlichste Stelle von Thailand, die einen Hafen am Mekong hat. Das ist der Ort Chiang Saen. Da es anscheind keine direkten Busse von Bangkok dorthin gibt, ist der nächste größere Ort die Provinzhaupstadt Chiang Rai. Also habe ich ein Ticket nach Chiang Rai gebucht, das ein Pickup-Service direkt neben meinem Guesthouse beinhaltet. Hört sich soweit ja super an. An Stelle des angedeuteten Pickup-Wagens kam allerdings eine Thai mit Mini-Roller, die mich dann samt Backpack und Rucksack anstelle zum Bus, zu einem anderen Reisebüro gebracht hat. Von dort ging es dann zu Fuß zum Bus weiter, der dann aber plötzlich nicht nach Chiang Rai fährt sondern nach Chiang Mai. Ich erhielt ein Voquer mit dem ich dann angeblich sofort mit einem Anschlußbus nach Chiang Rai weiterkäme. Der Bus, der nur mit farangs besetzt war, kam 12 Stunden später in Chiang Mai an. Allerdings wurde dann erzählt, dass dies ein Touristenbus sei und dieser nicht am offiziellen Bus-Bahnhof halten dürfe. Ein paar Pickups würden uns jetzt ins Zentrum fahren. Das ”Zentrum” bestand aus einem Guesthouse in dessen Garten dann das Gepäck ausgeladen wurde — super. Ich bin dort dann sofort aufgebrochen und habe mich vom nächsten TukTuk zum Busbahnhof fahren lassen. Dass mein vorher ausgestelltes Voquer hier nur den Wert eines Blatt Papier hat, spricht für sich selbst. Dort fuhr dann glücklicherweise auch recht schnell ein lokaler Bus direkt nach Chiang Saen ab. Ca. 5 Stunden später war ich dann dort. Also: Auf keinen Fall ein Busticket über ein ”Reisebüro” kaufen sondern direkt an der Busstation. (Das ist zudem auch noch sehr einfach, da dort alles zweisprachig steht und auch englisch gesprochen wird, wie ich später in Chiang Mai gesehen habe.)
Chiang Saen ist ein kleiner gemütlicher Ort direkt am Mekong. Die einzigen Touristen die hier sind wollen entweder in den Nachbarort Chiang Kohn, der einen Grenzübergang nach Laos am gegenüberliegenden Flußufer hat oder wollen das “Goldene Dreieck” besuchen. Das Goldene Dreieck ist eigentlich ein groesseres Gebiet um die Grenzregionen von Thailand/Burma/Laos und hat seinen Namen erhalten, da hier 75% der Weltopiumproduktion stattfindet. Da man ein derart großes Gebiet aber auf kein Foto bekommt, hat man es den Touristen einfach gemacht und ein paar Kilometer nördlich von Chiang Saen einen kleinen Ort einfach Goldenes Dreieck getauft… An der Straße von Chiang Saen entlanng des Mekongs finden sich Garküchen und viele kleine Marktstände, die sich auf Import-Güter aus China spezialisiert haben. Vormittags kommen hier Busse voll mit Leuten aus der Umgebung an, die einen Einkaufsbummel machen um sich mit chinesischen Produkten einzudecken. Im Süden des Ortes befindet sich die Anlegestelle für Frachtschiffe. Hier trifft man auch schon die ersten Chinesen die Lebensmittel für die Rückfahrt einkaufen, oder sich die Wartezeit im Hafen mit Hähnenkämpfen und Wetten darauf vertreiben. Da ich gehört habe, dass jetzt in der trockenen Jahreszeit der Wasserstand zu niedrig ist und evtl. überhaupt keine größeren Schiffe bis nach China fahren habe ich erstmal einen Chinesen gefragt. Der hat mir dann erzählt daß es jetzt schwieriger sei und es auch unbestimmte Zeit dauern kann; aber da die gefährlichen Stellen im Mekong freigesprengt wurden sei es nun theoretisch möglich das ganze Jahr über bis nach China zu fahren. Ich habe dann herausgefunden, daß an dem Tag wohl nur ein Schiff ausläuft, dieses aber dafür sofort. Also hab ich dort gefragt ob ich mitfahren könne und hab den Preis ausgehandelt (300RMB). Nach dem ich mein Backpack geholt habe mußte ich noch den Beamten im Immigration Office davon überzeugen, daß ich per Boot ausreisen darf…

Mönche entlag der Straße am Mekong in Chiang Saen
Mit einem ”ausgreist”-Stempel auf dem Thai-Visum ging es dann auch schon gleich los den Mekong hinauf zwischen Burma und Laos. Wir waren 6 Mann, eine Frau ein Affe und ich. (Plus diverses Lebendfutter mangels funktionierender Kühltruhe – zu dem der Affe aber nicht gehörte). Ich bekam ein Bett in eier eigenen Kabine, die zuvor als Voratskammer genutzt wurde.
Morgens war es noch sehr neblig und etwas kühl, aber ab Vormittag zeigte sich dann der blaue Himmel mit Sonnenschein satt. Das Mekong-Ufer besteht auf der laotischen sowie auf der burmesischen Seite aus dichtem Regenwalt in einem tiefen grün. Direkt am Ufer gibt es zahllose kleine weiße Sandstrände oder aber auch große Steinformationen , die streckenweise auch den Fluß säumen. Hier kann man dann manchmal Longtail-Boote am Ufer finden, Wasserbüffel, waschende Frauen, spielende Kinder sowie die dazugehörigen Siedlungen aus Bambus-Hütten. Ganz selten sieht man auch Häuser die offensichtlich den etwas wohlhabenderen Leuten als Erholungsort dienen.

chinesische Frachtschiffe im Hafen von Chiang Saen
Das Essen ist recht einfach (dafür aber all inclusive) und ist chinesisches Standard-Essen: morgens Nudelsuppe, mittags und abends Reis mit Gemüse und geschreddertem Tier.
Abends wenn es dunkel ist, wird das Schiff an der nächst besten Stelle festgebunden. Hierbei sind die Chinesen recht kreativ. Ein Stein an dem man das Stahlseil irgendwie festbekommt reicht da völlig aus. Danach wird die Satellitenschüssel ausgerichtet und es wird chinesisches Fernsehen geguckt. (Militärdramas oder auch mal eine Karaoke-VCD)
Irgendwo in Burma haben wir dann noch drei Burmesinnen aufgesammelt, die weiter in den Norden von Burma wollten. Für die mußte dann auch meine Einzelkabine weichen und ich wurde wo anders mit einquartiert. Am nächsten Tag ging es zu einem kleinen Hafen in Burma, an dem Güter auf wartende Lastwagen geladen wurde. Hier sind die drei Burmesinnen dann auch wieder an Land gegangen. Auch unser Schiff sollte hier entlanden werden. Da aber die Lastwagen noch nicht im Hafen angekommen waren würde sich die ganze Prozedur auf 2 bis 3 Tage in diesem Hafen hinziehen. Für mich war das nicht schlimm, da ich ja keine Termine hatte und ohnehin nicht wußte wie lange die ganze Tour dauern würde. Also bin ich an Land gegangen und hab mir erstmal Burma angeguckt. Naja – zumindest das was es hier zu sehen hab: ein paar Hütten, Fischer und die Verladestelle sowie eine Straße durch den Wald ins Landesinnere. Von Immigration Office o.ä. hat hier (glücklicherweise) noch nie jemand etwas gehört.

kleiner Hafen am Mekong in Burma
Später hat man mir dann angeboten, daß ich auf einen anderen befreundeten Frachter umsteigen könne, der gerade mit dem Abladen fertig war. Das Angebot habe ich dann auch angenommen. Wie ich schon vorher gemerkt hatte, war ich zuerst nicht gerade auf dem neusten Schiff gelandet. Das zweite war zwar gleicher Bauweise, aber wesentlich modernen ausgestattet. Es gab sogar Rettungswesten und Feuerlöscher. Das Essen war wie schon vorher. Als Gast hab ich natürlich erstmal gleich die Füße des gerade Frisch zubereiteten Huhns in meine Schüssel gelegt bekommen – mein Lieblingsgericht. (Manchmal frage ich mich ob einige nicht doch wissen wie gern ein Otto-Normal-Ausländer die ißt…)

der Mekong
In China bin ich direkt am nächsten Hafen hinter der Grenze angekommen. Die chinesischen Grenzkontrolleure sind direkt aufs Schiff gesprungen damit auch ja keiner flüchten konnte. Selbst hier wurde bei mir erstmal Fieber gemessen (wegen SARS) und mein Gepäck kontrolliert. Nachdem der Kontrolleur erstmal seine gesamten Englischkenntnisse an mir vor versammelter Mannschaft präsentieren mußte, konnte ich dann von Bord gehen. Dann mußte ich in ein kleines Immigration-Office, in dem mein China-Visum abgestempelt wurde nach dem ich die obligatorische Arrival-Card ausgefüllt hatte. Das alles lief überraschend problemlos ab.
Der Ort selbst ist sehr verschlafen und besteht im Großen und Ganzen aus einer langen palmengesäumten Straße mit ein paar Geschäften. Und wir in jeder Hafenstadt gibt es auch hier viele Friseurläden… Irgendwann habe ich dann festgestellt, daß ich nicht in dem Hafen bin in dem ich zu sein dachte, sondern in einem kleinen Ort direkt an der Grenze, welcher selbst in meiner Regionalkarte von xishuangbana nicht auftaucht. Dies zeigte sich dann auch an der nicht einstündigen sondern sechsstündigen Busfahrt nach Jinghong, der größten Stadt in der xishuangbana-Region. Die Busfahrt führte über eine unbefestigete Straße durch die Berge incl. der üblichen In-der-Kurve-auf-gut-Glück-Überholmanöver an den Abhängen der Berge. Eine empfehlenswerte Tour für Adrenalin-Junkies. Dann war ich auch schon wieder in der chinesischen Zivilisation.